Fast wäre Schluss gewesen. Doch engagierte Eltern und Trainer haben Judo Verein Hohe Mark 81 e. V. Wulfen neu belebt. Heute wächst der Verein wieder, auf der Matte und darüber hinaus.
Es gibt Sportarten, da geht es nicht ohne Nähe. Judo ist eine davon. Wer wirft, muss vertrauen. Wer fällt, muss sich auf den anderen verlassen können. Genau das machte die Corona-Zeit für den Judoverein Hohe Mark Wulfen besonders hart. „Es gibt ja fast keinen intimeren Sport als Judo“, sagt Trainer Frank Kitscha. Der Kontaktsport kam zeitweise komplett zum Erliegen, viele Mitglieder traten aus, auf der Matte standen am Ende nur noch eine Handvoll Kinder.
Neustart mit Ansage
Für Kitscha war das besonders bitter. Seit 1983 ist er im Verein, damals kam er als Elfjähriger nach Wulfen. In den 80er-Jahren, erinnert er sich, sei der Verein groß gewesen, mit mehreren hundert Mitgliedern. Über die Jahrzehnte wurde es ruhiger, doch der absolute Tiefpunkt kam mit der Pandemie. Der damalige Vorstand war müde, der Verein stand vor der Frage: auflösen, fusionieren oder noch einmal neu anfangen?
Bei der Mitgliederversammlung im Februar 2024 fiel die Entscheidung. Frank Kitscha sprach einige Eltern an, darunter Tobias Bergerfurth, dessen Tochter im Verein trainierte. „Dann haben sich bei weniger als 15 Personen fünf Leute gefunden, die den Vorstand neu gebildet haben“, erzählt Bergerfurth. Er selbst wurde Schatzmeister. „Hat gepasst“, sagt der gelernte Bankkaufmann schmunzelnd.
Gemeinschaft mit Griff
Was dann passierte, klingt fast wie ein kleines Vereinswunder. Aus rund zehn Kindern und ein paar passiven Mitgliedern wurden innerhalb von zwei Jahren 75 Mitglieder. Vielleicht, sagt Kitscha, steuere man Ende des Jahres sogar auf die 100 zu. Besonders freut ihn, dass nicht nur Kinder und Jugendliche dazukommen, sondern auch Erwachsene. Wenn alle da sind, stehen inzwischen 15 bis 18 von ihnen auf der Matte.
Der Neustart lebt vom Ehrenamt. Eltern packen mit an, Aufgaben wurden im Vorstand auf mehrere Schultern verteilt, Nachwuchs-Hilfstrainer werden aufgebaut. Auch Kooperationen mit befreundeten Vereinen aus Velen-Reken und Borken bringen frischen Schwung. Gemeinsame Trainings, Turniere und erste Wettkampferfolge zeigen: Der Knoten ist geplatzt.
Doch Judo in Wulfen ist mehr als Technik, Gürtelprüfung und Wettkampf. „Respekt ist das erste Wort“, sagen Kitscha und Bergerfurth. Höflichkeit, Vertrauen, Freundschaft und ein fairer Umgang gehören selbstverständlich dazu. Wer jemanden wirft, muss zugleich dafür sorgen, dass der andere sicher fällt.
Auch neben der Matte wächst die Gemeinschaft wieder: Ausflüge, Waffelaktionen, Weihnachtsfeier, Brustkrebslauf. „Das gehört mindestens zu 50 Prozent zum Vereinsleben dazu“, sagt Kitscha. Unterstützung gibt es zudem von außen. Der Verein nimmt in diesem Jahr an „Vest Future“ teil, dem Förderwettbewerb der Sparkasse Vest Recklinghausen. Die Sparkasse unterstützt den Judoverein zudem bereits jetzt konkret, zuletzt bei der Anschaffung einer neuen Matte, die im Wesentlichen über die Sportpauschale der Stadt Dorsten finanziert wurde.
Für einen Verein, der gerade wieder wächst, ist das mehr als nur neues Trainingsmaterial. Es ist ein Zeichen: Hier passiert etwas, hier lohnt sich Einsatz. Zum diesjährigen 45-jährigen Bestehen soll am 12. Juli ein Mannschaftsturnier mit befreundeten Vereinen stattfinden. Eine große Geste braucht dieser Neustart gar nicht. Das schönste Jubiläumsgeschenk ist längst da: Auf der Matte ist wieder Leben.